Visuelle Wahrnehmung

Informationsverarbeitung in Auge und Hirn

Visuelle Wahrnehmung ist die Verarbeitung von Informationen, die durch Lichtreize ausgelöst werden. Diese Lichtreize gelangen über das Auge ins neuronale Netzwerk des Grosshirns. Dabei werden die zu übertragenen Impulse komprimiert auf mehreren Kanälen übertragen, da die Datenmenge von unkomprimiert circa 1,5 Gigabyte/sec die Sauerstoffversorgung des Gehirns völlig überfordern würde. Ein Bild wird für die Übertragung zum Beispiel in diffuse Licht-Schattenzeichnung und scharfe Konturen zerlegt.

Aussen-Wahrnehmung

Das Auge erkennt Helligkeits- und Farbunterschiede mit zwei Arten von Rezeptoren: Bei schlechtem Licht (Dämmerung etc.) sorgen die Stäbchen für die Wahrnehmung, wobei die Farbwahrnehmung je nach verbleibender Helligkeit eingeschränkt ist oder ganz ausbleibt. Bei gutem Licht sorgen die Zapfen für optimale Farb- und Graustufen-Wahrnehmung. Durch das binokulare Sehen können wir Raum wahrnehmen und Distanzen richtig einschätzen.

Innen-Wahrnehmung

Bei der Innen-Wahrnehmung entstehen im Gehirn unabhängig von äusseren Reizen Bilder. Diese können erinnert, vorgestellt oder geträumt sein. Für das Gehirn spielt es keine Rolle, ob eine Szene geträumt oder «real» erlebt wird. Sehen ist mit Erinnerung und Emotion verknüpft. Das Vorstellungsvermögen, die Fähigkeit, sich Bilder vorzustellen ist nicht nur für den Erfolg von Lernprozessen mitentscheidend.

Differenzen Erkennen

Der Bereich wirklich scharfer Abbildung auf der Netzhaut ist sehr klein, er entspricht einem Sehwinkel von circa 1,5 Grad. Mit zunehmender Distanz zu diesem scharfen Bereich wird die Abbildung diffuser, der Interpretationsspielraum wird grösser.

Die Verarbeitung und Interpretation von Wahrnehmungs-Differenzen ist eine der Voraussetzungen für menschliches Denken. Die Bedeutung einer Information liegt in ihrer Form und in der formalen Veränderung während des Informationsprozesses. Alles was Menschen denken, empfinden, wollen oder tun, ist Resultat von Informationsverarbeitungsprozessen.

Aus Helligkeitsunterschieden entstehen in der Informationsverarbeitung Formen, denen eine Bedeutung zugewiesen wird oder die durch Vergleich mit bereits gespeicherten Formen eingeordnet werden.

Durch das binokulare Sehen ist es erst möglich, Raum als solchen zu erleben und Distanzen richtig einzuschätzen.

zum Seitenanfang
Die Sinne trügen nicht, das Urteil trügt.

Johann Wolfgang von Goethe

aktualisiert 14-04-2011

Sehen, Fühlen, Riechen, Wahrnehmen ist individuelle Wahrheit

Differenzen erkennen

Wahrnehmung beginnt mit der Unterscheidung von hell und dunkel.
Auge 1.ps
Wo hell und dunkel aufeinandertreffen, entsteht eine Linie. Diese Linie umschliesst eine Form.
Auge 2.ps
Mehrere Formen bilden zusammen eine Gestalt.
Auge 3.ps
Aus mehreren Gestalten entsteht das Bild.
Sehen, Fühlen, Riechen, Wahrnehmen ist individuelle Wahrheit